26. Juni 2017

Deutsch perfekt: "Game of Thrones" - Mystische Kreaturen


 

game of thrones drachen

Sie heißen Drogon, Viserion und Rhaegal: die drei Drachen der Fantasy-Saga „Game of Thrones“. Spezialisten aus Frankfurt am Main haben das Trio designt – und sie wissen schon jetzt: Die Giganten haben diesen Sommer viel zu tun. Von Claudia May

 

"Game Of Thrones": Die 7. Staffel startet im Juli 2017

So eine Armada hat das Fernsehpublikum lange nicht gesehen. Ein Schiff nach dem anderen fährt über das Meer. An Bord sind Tausende Menschen. Auf einem der Schiffe: Daenerys Targaryen. Sie ist endlich auf dem Weg zum Kontinent Westeros. Denn sie will den Eisernen Thron zurück in ihre Familie bringen. Bis zu dieser Reise hat es lange gedauert. Sechs Staffeln lang ist immer etwas dazwischengekommen: tote Aristokraten, aggressive Duelle, viel Sabotage – und noch viel mehr Intrigen. Diese typischen und komplexen Szenarios, von denen jeder „Game of Thrones“-Fan erzählen kann. Denn die Produktion des amerikanischen Serienkanals HBO basiert auf den Fantasy-Romanen des US-Autors George R. R. Martin. Und der liebt es, seine Leser zu schockieren. Tabus gibt es nicht. Der Bruder hat Sex mit seiner Schwester. Ein Psychopath darf ein Baby mit der Hilfe seiner Hunde töten. Interessante Figuren werden plötzlich zu Zombies. Und die junge Königin Margaery Tyrell hat am Ende der sechsten Staffel eine unschöne Begegnung mit magischer Pyrotechnik. Die Serie ist definitiv nichts für Pazifisten.

"Game of Thrones": Daenery's Drachen Drogon, Rhaegal und Viserion

Bald kommt das große Finale. Denn Daenerys Targaryen ist nicht nur sehr ehrgeizig. Sie hat auch Partner. Das sind nicht nur andere Könige. Über ihren Schiffen fliegen drei gefährliche Kreaturen. Es sind die Drachen Drogon, Rhaegal und Viserion. Daenerys kennt das Trio seit ihrer Geburt. In dem Fantasy-Epos ist ihr Name deshalb auch „Mutter der Drachen“. Aber die wirklichen Eltern findet man nicht in der fiktiven Welt. Sie sitzen im Osten von Frankfurt am Main. Die Firma Pixomondo hat Drogon und seine beiden Brüder für eine der bekanntesten und beliebtesten Serien der Welt animiert.

Animierte Drachen: Wie aus einem Hühnchen ein Drachen wird

Angefangen hat alles mit einem Suppenhuhn. „In unserem Job ist alles virtuell. Wir fassen eigentlich nichts mehr selbst mit der Hand an“, erklärt Sven Martin von Pixomondo. „Aber für eine gute Animation ist es wichtig, Dinge wirklich zu spüren. Auch um zu verstehen, wie sie funktionieren.“ Nur: Einen echten Drachen kann man nicht als Modell buchen. Also hat der Visual Effects Supervisor ein totes Huhn auf den Tisch der Büroküche gelegt. Dann haben die Kollegen das Tier untersucht. „Es war für uns zum Beispiel wichtig, zu sehen, wie das Skelett des Flügels reagiert“, sagt der 41-Jährige. „Aber das Suppenhuhn war nur eins von vielen Vorbildern. Für das Design haben wir uns von verschiedenen Reptilien, Fledermäusen und Adlern inspirieren lassen.“


 


Deshalb war das Team zum Beispiel auch im Frankfurter Zoo. Denn natürlich mussten die Experten zuerst Antworten auf viele Fragen zu ihrem Design finden: Welche Muskeln bewegen Drachen, wenn sie fliegen? Haben sie zwei Beine, oder sind es vier? Und wie wirken die Proportionen echt?


Am Computer haben die Spezialisten ihre Drachen dann Schicht für Schicht erstellt. Zuerst das Skelett, dann Muskeln und Haut. Und das nicht nur einmal. Denn die Drachen treten am Anfang der Serie zum ersten Mal als Babys auf. Dann fangen sie an, zu wachsen.


„Bei den kleinen Drachen haben wir uns am Kindchenschema orientiert. Sie haben also einen überproportional großen Kopf, große Augen und eine andere Haut.“ Als impulsive Teenager sehen sie nicht mehr ganz so nett aus. Und vor den erwachsenen Drachen kann man wirklich Angst haben. „Uns war es wichtig, die Tiere nicht zu vermenschlichen“, sagt der Experte. „Deshalb zeigen sie, anders als in Filmen wie Dragonheart, auch keine starke Mimik. Die Augen sind der Spiegel ihrer Emotionen.“ In diesen Spiegel sehen die Figuren der Serie oft, weil sie wissen: Es ist wichtig, die momentane Stimmung eines Drachen zu kennen. Denn im Feuer dieser Giganten kann es ziemlich heiß werden.


Aber wie machen das eigentlich die Schauspieler? Die animierten Drachen sind schließlich nicht am Filmset dabei. Sie werden erst in der Postproduktion eingefügt. Aber das ist für die Schauspieler kein großes Problem. Sie arbeiten alle mit ihrer Vorstellungskraft.

„Game of Thrones“-Star Emilia Clarke

Die britische Schauspielerin Emilia Clarke spielt seit der ersten Staffel Daenerys Targaryen. „Sie macht das wirklich sehr gut“, sagt Martin. „Als die Drachen noch klein waren, hat sie die Szenen mit einer Puppe gespielt. Später war es ein Kopf. Und bei den erwachsenen Drachen dann oft der beim Film traditionelle Tennisball auf einem Stock, damit die Blickrichtung stimmt.“


Es ist dann die Aufgabe der Animationsexperten, den Drachen in die Filmszene einzufügen. An jeder einzelnen Einstellung arbeiten sieben Personen. Und das drei Wochen lang. Das Resultat sind fünf bis sechs Sekunden Film mit einem oder mehreren animierten Drachen. Aber auch dann ist die Einstellung noch nicht fertig. „Der Supervisor von HBO sieht sich unsere Arbeiten an. Dabei arbeiten wir vom Groben ins Feine, um Wünsche und Änderungen leichter einfließen lassen zu können“, sagt Martin. Zwei bis drei Tage kann das dauern.  


Auch von den Schauspielern und Produzenten gibt es Feedback. Immer wieder treffen sich die Animationsexperten mit Leuten von HBO. Trotzdem muss alles sehr schnell gehen. Denn viel Zeit haben die Spezialisten nicht, die Fans warten. Gut, dass Pixomondo Niederlassungen in verschiedenen Zeitzonen hat. So können sich die Experten 24 Stunden um das Projekt kümmern.

Drei Emmy Awards  für „Game of Thrones“-Effekte

Dieses intensive Arbeiten mit viel Liebe zum Detail hat sich gelohnt: Für ihre visuellen Effekte in „Game of Thrones“ hat die Firma drei Emmy Awards bekommen. Und immer wieder den neuen Auftrag von HBO. Seit fünf Jahren sind die Frankfurter bei der Fantasy-Saga schon dabei. „Es ist in unserem Job selten, dass man ein Projekt mit dieser Kontinuität hat“, erklärt Martin. „Und es wird immer komplexer. Für die Effekte der siebten Staffel haben mehr als zwölf verschiedene Firmen zusammengearbeitet.“ Denn eins ist klar: Jetzt zum Finale werden Drogon, Rhaegal und Viserion immer wichtiger. Pixomondo hat für die siebte Staffel der Kultserie 300 Einstellungen bearbeitet. So viele waren es noch nie. Und Staffel sieben hat nur sieben Episoden. Bis jetzt waren es pro Staffel zehn.

 

 


"Die Tiere zeigen keine starke Mimik. Die Augen sind der Spiegel ihrer Emotionen."


 

"Game Of Thrones": Landschaften und Burgen

„Auch einige Landschaften und Burgen der siebten Staffel sind von uns“, sagt Martin. Welche genau, will und darf er nicht sagen. Denn HBO will natürlich nicht, dass jemand Details der Handlung vor der Staffel-Premiere kennt. Deshalb haben auch gute Freunde der Pixomondo-Kollegen keine Chance auf mehr Informationen. „Ich will niemandem den TV-Spaß verderben. Außerdem bekommen wir von HBO immer nur kleine Schnipsel“, erklärt Martin. „Das komplette Ergebnis sehen auch wir erst jetzt im Sommer.“ Am 16. Juli ist es so weit: Dann können die Zuschauer auf HBO die erste Episode der siebten Staffel sehen. Die deutsche Version gibt es ab 17. Juli auf Sky.


Aber Sven Martin und sein Team müssen jetzt an die achte und letzte Staffel denken. „Da gibt es wieder sehr viel zu tun“, sagt der Animationsspezialist. „Es wird nicht einfach. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich nach der achten Staffel eine kleine Träne im Auge haben werde. Die vielen Jahre mit den fantastischen Drachen sind dann vorbei.“

„Game of Thrones“: 2018 ist Schluss

Aber auch wenn mit „Game of Thrones“ 2018 Schluss ist – HBO plant schon Spin-offs der Serie. Das ist bei dem kommerziellen Erfolg keine Überraschung. Vielleicht können also auch nach dem Finale von „Game of Thrones“ wieder Drachen aus Deutschland nach Westeros fliegen. Aber jetzt müssen die magischen Kreaturen ihrer Mutter erst einmal auf den Eisernen Thron helfen. Hoffentlich mit einem Happy End für Daenerys.

 


Steve Martin Game of Thrones


Sven Martin (41) und das Team von Pixomondo haben für die visuellen Effekte in „Game of Thrones“ drei Emmy Awards gewonnen.

 

 


 

Wichtige Vokabeln für "Game of Thrones" die Sie kennen sollten:

  • der Drache, -n , fiktives Tier: ≈ Es ist sehr groß, kann fliegen und mit dem Mund Feuer machen.
  • eisern , aus Eisen
  • (das Eisen , schweres Metall)
  • die Staffel, -n , hier: ≈ ein paar Filme als Teil von einer Fernsehserie
  • dazwischengekommen, Part. II von: dazwischenkommen = hier: ≈ überraschend passieren, und so machen, dass sie nicht auf den Thron kann
  • basieren auf, hier: als Basis nehmen
  • der Roman, -e , lange, fiktive Erzählung
  • töten, totmachen
  • die Figur, -en , hier: ≈ fiktive Person
  • die Königin, -nen , Monarchin
  • die Begegnung, -en, hier ironisch: Treffen
  • ehrgeizig, hier: so, dass sie auf jeden Fall auf den Thron will
  • sitzen, hier: m sein und arbeiten
  • beliebt, populär
  • animiert , Part. II von: animieren = hier: machen, dass sie im Film wie lebendig aussehen
  • (lebendig, hier: so, dass sie leben)
  • das Suppenhuhn, er, Huhn: Man verwendet er zur Herstellung von einer Suppe.
  • (das Huhn, -er, Vogel: Er stellt Eier für den Menschen her.)
  • anfassen, hier: in die Hand nehmen
  • spüren, hier: mit der Hand fühlen

 

  • der Flügel, - , einer von zwei Körperteilen: Damit fliegen Vögel.
  • das Vorbild, -er , hier: Beispiel, an dem man sich orientiert
  • die Fledermaus, -e , kleines Tier: Es kann fliegen; beim Schlafen hängt es mit dem Kopf nach unten.
  • der Adler, - , großer Vogel mit sehr guten Augen: Er isst kleine Tiere.
  • der Muskel, -n , ≈ elastischer Körperteil bei Mensch und Tier
  • bewegen, hier: ≈ machen, dass z. B. ein Flügel nach oben und unten geht
  • wirken, hier: aussehen
  • Schicht für Schicht, eine Schicht nach der anderen
  • (die Schicht, -en, hier: ≈ etwas: Es liegt über oder unter etwas anderem.)
  • erstellen, hier: machen; designen
  • die Haut, Organ: Es ist außen am ganzen Körper von Menschen und Tieren.
  • auftreten, hier: in der Serie zu sehen sein
  • wachsen, groß und stark werden
  • das Kindchenschema, psycholog. ≈ Typisches an einem Baby oder Kleinkind: Es macht, dass Erwachsene es süß finden und sich um es kümmern.

 

  • überproportional, größer als normal
  • vermenschlichen , hier: mit menschlichen Emotionen zeigen
  • momentan, im Moment; zurzeit
  • die Stimmung, -en, ≈ Emotion, z. B. fröhlich, traurig …
  • der Schauspieler, -, Mann: Er spielt im Film oder im Theater mit.
  • schließlich, hier: denn
  • einfügen, hier: ≈ in den Film hineintun
  • die Vorstellungskraft, hier: Talent: Man kann sich etwas denken, auch wenn es eigentlich nicht da ist.
  • die Puppe, -n , ≈ Spielfigur: Sie sieht aus wie ein Mensch.
  • der Stock, langes, dünnes Ding aus Holz
  • die Blickrichtung, Richtung: Dorthin sieht man.
  • (die Richtung, -en , hier: z. B. zu einer anderen Person)
  • einzelne (r/-s) , hier: nur eine; eine allein

 

  • die Einstellung, -en , hier: Szene: Man filmt sie ohne Pause.
  • sich ansehen, hier: genau sehen auf; prüfen; kontrollieren
  • vom Groben ins Feine , ≈ vom ungefähren Aussehen zu den Details
  • einfließen lassen, hier: ≈ in den Film integrieren
  • die Niederlassung, -en , ≈ zweites Büro einer Firma
  • sich lohnen, gut sein, dass man etwas macht
  • der Auftrag ≈ Aufgabe: Man bekommt sie von einem Kunden und wird dafür bezahlt.
  • selten, hier: so, dass es nicht oft passiert
  • die Kontinuität, hier: ≈ Situation, dass etwas in gleicher Form weitergeht
  • bearbeitet, Part. II von: bearbeiten = hier: an etwas arbeiten
  • einige (r-/-s) , ein paar
  • die Burg, -en, ≈ großes, massives Schloss
  • die Handlung, -en, hier: Geschichte: Was genau passiert?
  • (die Geschichte, -n, ≈ Erzählung)
  • den TV-Spaß verderben, hier: den Spaß beim Sehen der neuen Staffel nehmen
  • der Schnipsel, - , kleines Stück von etwas Großem
  • das Ergebnis, -se , Resultat
  • die Träne, -n , kleine Menge Wasser: Sie kommt aus den Augen, wenn man weint.
  • der Erfolg, -e , positives Resultat
  • erst einmal, hier: als Erstes

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Pixomondo: Fotostrecke „Game of Thrones“