05. September 2016

Deutsch perfekt: Team-Escape ein populärer Freizeittrend

Im Puzzle-Raum

Ein leises Klicken, und die Tür ist zu. Das Licht im Raum ist schwach. Für einen Moment sehen wir uns an. Nervöses Lachen, kurzes Orientieren. Die Zeit läuft – los! In den nächsten 60 Minuten sind wir keine sechs Münchener mehr im Alter zwischen 28 und 37 Jahren. Jetzt sind wir eine Gruppe Diebe. Unsere Mission: einen Schatz finden und aus dem Raum bringen.

Live Escape Game

Live Escape Game heißt diese Aktion. Sie wird immer populärer. Rund 500 Escape Rooms gibt es aktuell in Deutschland, fast alle in Städten. Das Prinzip ist meistens gleich: Eine Gruppe Spieler muss in einer Stunde in einem Raum Aufgaben und Rätsel lösen. Das Ziel ist, aus dem Raum wieder hinauszukommen. Für den Weg dorthin kann man viele verschiedene Varianten wählen. Es gibt zum Beispiel das Katastrophenszenario mit der Aufgabe, ein gefährliches Virus zu stoppen. Oder einen Horrorraum mit Blut an den Wänden. Manchmal muss man als Team auch eine Bombe entschärfen.

Grüne Wand mit Kästchen

Wir haben die Galerie gewählt, Museumsatmosphäre und ein bisschen Nostalgie inklusive. An den dunkelroten Wänden hängen abstrakte Bilder. Man hört leise die Titelmelodie aus den Pink-Panther-Filmen. Überall stehen kleine und größere Holztruhen mit verschiedenen Schlössern daran. In einer Truhe ist unser Schatz. Oder der Schlüssel zu dem Schatz? Oder ein Code? Es ist ein sehr komplexes Puzzle. „Die Galerie ist unser schwierigster Raum“, hat Vitali Weier vor dem Start gesagt.

Spintschrank

Er ist der Chef des Escape-Room-Anbieters Team Escape München. Was bedeutet schwierig? „Ohne Tipps schaffen es weniger als ein Prozent der Spieler aus der Galerie hinaus. Mit Tipps sind es 60 bis 70 Prozent.“ Die Tipps kommen von Weier. Der 32-Jährige sitzt im Flur hinter einem Monitor und sieht uns beim Rätseln zu. Wir dürfen ihn mit einem roten Telefonapparat dreimal anrufen und um Hilfe bitten. Aber wir sind ambitioniert: Vielleicht sind wir ja die Weniger-als-ein-Prozent-Spieler?

Blutige Hände

Nach 20 Minuten wird klar: Das sind wir nicht. Wir haben überall im Raum, in jeder Ecke, Zahlen, Karten und Symbole gesammelt. Wir haben kombiniert und Codes gefunden. Aber jetzt kommen wir nicht mehr weiter. Adamma macht den Anruf. „Habt ihr die Frage gesehen? Die Antwort wird euch helfen“, sagt Weier freundlich am Telefon. Claudia versteht sofort, was er meint – und weiß die Antwort. Wir können weitermachen. Mal sucht jeder von uns alleine. Mal diskutieren und kombinieren wir zusammen. Eigentlich funktioniert das so ganz gut.

"Bei privaten Teams ist der Spaß am wichtigsten. Bei Kollegen zeigt sich oft Konkurrenz."

„Die Gruppendynamik bei den Escape Games ist sehr unterschiedlich. Manche Teams bekommen schnell Panik. Andere bleiben die ganze Zeit total ruhig“, sagt Weier. Die Kunden bei TeamEscape sind Gruppen von Freunden, Familien und viele Firmen. Weier: „Bei privaten Teams ist der Spaß am wichtigsten. Bei Kollegen zeigt sich oft Konkurrenz.“

Live Escape Games sind 2007 in Japan entstanden und dort sehr schnell sehr populär geworden. Inspiration für die analogen Puzzles waren Computerspiele. 2013 ist das Phänomen nach Deutschland gekommen. Aus einer Insider-Aktion ist ein neuer Freizeittrend geworden. Vielleicht auch, weil es die Nerds der bei Deutschen sehr populären US-Fernsehserie „The Big Bang Theory“ in einer Episode spielen. Sie brauchen nur sechs Minuten, um alle Rätsel in ihrem Raum zu lösen – und keine Tipps.Davon können wir in der Galerie leider nur träumen. Die Uhr auf dem Monitor im Raum zeigt noch 20 Minuten an. Aber der Schatz ist noch weit weg. Wir müssen uns beeilen. Schneller sein. Zweiter Anruf bei Weier, zweiter Tipp. Im Gespräch vor dem Spiel hat Weier erklärt, dass man für ein Live Escape Game kein Genie sein muss. „Viele Spieler denken zu komplex. Das kann ein Problem werden. Denn das Elementare ist, die Aufgaben zu erkennen.“

Mikrokosmos EscapeRoom

Der Escape Room ist wie ein eigener Mikrokosmos: Wir vergessen die Welt draußen und konzentrieren uns nur noch auf das Spiel. Eine Stunde lang reduzieren wir unsere Prioritäten auf 30 Quadratmeter  – und auf die Suche nach einem Schatz. Das macht uns allen ziemlich viel Spaß.

Team Escape München

„Bei Live Escape Games werden Erwachsene zu Kindern“, sagt Eduard Maibach. Er ist der Manager eines Onlineportals der deutschen Escape Rooms – und selbst ein großer Fan der Spiele. Der 31-Jährige sieht für den Freizeittrend noch viel Potenzial in Deutschland: „Die Technik wird immer besser und die Ideen immer origineller.“

Kurz vor dem Ziel endlich der Schatz!

Als wir noch sechs Minuten haben, machen wir den dritten und letzten Anruf. „Ihr seid kurz vorm Ziel“, verspricht Weier. Und wirklich: Wir kombinieren den finalen Code und finden einen Schlüssel! In unserer Euphorie darüber vergessen wir fast eine nicht ganz unwichtige Sache: „Leute, wir brauchen noch den Schatz!“, ruft Steffi und lacht.

Uns bleiben nur noch zwei Minuten. Wir müssen schneller machen. Noch schneller. Endlich halten wir den Schatz, einen Goldbarren, in unseren Händen. Eine Minute. Jetzt noch mit einer Zahlenkombination die Tür öffnen – geschafft.       

Eva Pfeiffer von Deutsch perfekt

 

Galerie:

Mehr zu TeamEscape® unter:

www.teamescape.de

 

Das Onlineportal "Live Escape Room Games in Deutschland":

www.escaperoomgames.de