25. October 2016

Deutsch perfekt: Interview mit Udo Wachtveitl alias Tatort-Kommissar Franz Leitmayr

 

Udo Wachtveitl ist wie der Tatort-Kommissar Franz Leitmayr in München geboren und aufgewachsen. Der heute 58-Jährige ist nicht nur in vielen anderen deutschen Filmen zu sehen, sondern schreibt auch Drehbücher und arbeitet als Regisseur. Wachtveitl macht außerdem Musik und unterstützt als Vegetarier Kampagnen der Tierschutzorganisation PETA.

 

 

Interview der Deutsch-perfekt-Redakteurin Eva Pfeiffer mit Udo Wachtveitl:

Eva Pfeiffer: Herr Wachtveitl, was kann man durch den Tatort über Deutschland und durch den Münchener „Tatort“ über München lernen?

Udo Wachtveitl: Es gibt inzwischen Doktorarbeiten über den Tatort. Er ist ein Bilderbogen Deutschlands, seit 46 Jahren – von den Automodellen bis zu gesellschaftlichen Themen und verschiedenen Rollenbildern. Und speziell von München, da zeigen die Figuren Batic und Leitmayr dieses nicht zu verbissene, nicht zu ernste Lebensgefühl in der Stadt – die Möglichkeit, dass das Leben Freude macht.

"Der Tatort ist ein Stück Heimat und steht für Verlässlichkeit"

Eva Pfeiffer: Warum lieben die Deutschen den Tatort so sehr?

Udo Wachtveitl: An diese Frage kann man sich nur herantasten. Ein Aspekt ist sicher, dass der Tatort am Anfang fast keine Konkurrenz hatte. Es gab nur zwei, drei Programme und das Fernsehen spielte eine ganz andere Rolle. Für viele Deutsche war der Tatort das erste große Fernseherlebnis. Wenn man zehn oder elf Jahre alt war, durfte man ihn am Sonntagabend anschauen. Aber danach musste man sofort ins Bett. Für viele gehört der Tatort zur Mediensozialisation. Er ist ein Stück Heimat und steht für Verlässlichkeit.

Der Tatort ist außerdem eine weltanschauliche Heimat. Er zeigt Probleme, die auf eine rationalistische Art behandelt werden: Die Welt ist kaputt, aber man kann sie reparieren – mit Hilfe von Menschen, die ermitteln, logische Zusammenhänge herstellen und für Gerechtigkeit sorgen. Das ist die Essenz des westlich-europäischen Lebensgefühls. Und dann ist der Sonntagabend eine geniale Sendezeit. Donnerstag-, freitag- und samstagabends sind viele Leute unterwegs. Aber am Sonntag geht man nicht so gerne aus, weil die neue Woche bevorsteht. Gleichzeitig ist man entspannt und hat vielleicht Lust auf eine gut erzählte Krimigeschichte.

Eva Pfeiffer: Sollte der Tatort noch mehr aktuelle politische Entwicklungen aufgreifen, realistischer sein?

Udo Wachtveitl: Realismus und aktuelle Themen schaden nicht, aber an erster Stelle muss eine spannende Krimigeschichte stehen. Das kann auch mal ein Eifersuchtsmord sein, der weder neu, noch originell, noch gesellschaftlich relevant ist. Der kann aber trotzdem sehr viel über uns Menschen erzählen. Was nicht passieren sollte, ist eine Verseifung der Realität. Es gab vor einigen Jahren im Tatort den Trend, dass Ausländer nie die Täter waren. Man dachte sich damals, dass die schon genug gelitten haben in Deutschland. Heute ist man in dieser Hinsicht immer noch vorsichtig, was ja auch gut ist. Aber vondieser Verseifung der Realität ist man zum Glück weggekommen

Eva Pfeiffer: Es gibt immer mehr neue Tatort-Teams. Wie sehen Sie diesen Hype?

Udo Wachtveitl: Wir Münchener Kommissare waren ja auch mal neu. Meine Meinung dazu ist einfach: Wenn’s gut ist, ist’s gut. Wenn’s schlecht ist, ist’s schlecht. Ich freue mich ehrlich über gute neue Teams. Konkurrenz ist positiv für das Geschäft. Aber es bestehtdie Gefahr, dass die Marke Tatort überdehnt wird. Man darf nicht denken, dass der Tatort sowieso erfolgreich ist, und sich keine Mühe mehr machen. Die Zuschauer erwarten eine delikate Balance: Der Tatort soll verlässlich und vertraut sein und gleichzeitig überraschen.

(...)

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